Stammbaum der Familie Willamowski

Prof. Dr. Johann Elias SchlegelAge: 30 years17191749

Name
Prof. Dr. Johann Elias Schlegel
Name prefix
Prof. Dr.
Given names
Johann Elias
Surname
Schlegel
Birth 1719 29 23

Birth of a brotherDr. Johann Adolph Schlegel
September 17, 1721 (Age 2 years)
Birth of a brotherJohann Heinrich Schlegel
1724 (Age 5 years)

Birth of a sisterFriederike Rebekka Schlegel
March 16, 1736 (Age 17 years)
Death of a motherMaria Rebekka Wilcke
March 30, 1736 (Age 17 years)
Death of a maternal grandmotherSophie Elisabeth Wildvogel
July 21, 1748 (Age 29 years)
Death of a fatherDr. Johann Friedrich Schlegel
September 9, 1749 (Age 30 years)
Occupation
Professor des Staatsrechts

Death 1749 (Age 30 years)

Family with parents - View this family
father
mother
Marriage: June 21, 1716Meißen
4 years
himself
3 years
younger brother
3 years
younger brother
12 years
younger sister
Family with Johanna Sophie Nierdt - View this family
himself
wife

Note
Johann Elias Schlegel (* 17. Januar 1719 in Mei?en; ? 13. August 1749 in Sorø (D?nemark)) war ein deutscher Dichter, Jurist und Dichtungstheoretiker. Im Schulpforta ausgebildet, studierte Schlegel von 1739 bis 1742 in Leipzig Jura, wo er mit Johann Christoph Gottsched bekannt wurde. Als Privatsekret?r des Sächsischen Gesandten wirkte er seit 1743 in Kopenhagen und gab dort die Zeitschrift Der Fremde heraus, worin er ?ber die Verh?ltnisse D?nemarks berichtete. Er schrieb für das d?nische Theater und ?bernahm 1748 eine au?erordentliche Professur für neuere Geschichte, Staatsrecht und Kommerzwesen an der neuen Ritterakademie in Sorø. Seine Werke gab der ebenfalls nach Kopenhagen gekommene Bruder Johann Heinrich Schlegel (1724?1780) von 1761 bis 1770 in f?nf B?nden heraus. Johann Elias Schlegel war in seiner Zeit ein wichtiger Teilnehmer an den literarisch-?sthetischen Diskussionen im deutschsprachigen Raum (Gottsched, Bodmer). Als solcher findet er bis heute Beachtung. Werke [Bearbeiten] Vergleichung Shakespears und Andreas Gryphs. 1741 (Stuttgart: Reclam 1984 ISBN 3-15-008242-0) Hermann. Ein Trauerspiel. 1743 Canut, ein Trauerspiel. 1746 Die stumme Sch?nheit. (Lustspiel) 1748 Orest und Pylades (Trauerspiel). Ver?ffentlicht 1760 Theoretische Texte. Literatur [Bearbeiten] Gerlinde Bretzigheimer: Johann Elias Schlegels poetische Theorie im Rahmen der Tradition. Fink, München 1986, ISBN 3-7705-2347-4. Sibylle Plassmann: Die humane Gesellschaft und ihre Gegner in den Dramen von J. E. Schlegel. Lit, M?nster u.a. 2000, ISBN 3-8258-4868-X. Georg-Michael Schulz: Schlegel, Johann Elias. In: Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon. Bd. 10, S. 266f. Georg-Michael Schulz: Die Überwindung der Barbarei. Johann Elias Schlegels Trauerspiele. Niemeyer, Tübingen 1980, ISBN 3-484-10399-X. Johann Elias Schlegel: Theoretische Texte. Mit einem Nachwort hrsg. von Rainer Baasner. (Theatertexte; 9). Wehrhahn, Hannover 2000, ISBN 3-932324-19-6. Johann von Antoniewicz: Schlegel, Johann Elias. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 31. Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 378?384.
Note
Schlegel: Johann Elias S. wurde als zweitältester von dreizehn Geschwistern am 17. Januar 1719 zu Mei?en geboren. Er entstammte einer geachteten Sächsischen Familie vornehmlich von Predigern, Juristen und Hofbeamten, die 1651 in der Person des Gro?vaters, des zeitweise in Leutschau angestellten Oberpredigers Christoph S. von Ferdinand III. geadelt wurde, ohne jedoch Titel oder Beinamen (v. Gottleben) zu tragen (erst August Wilhelm hat beide wieder aufgenommen). Der Vater Johann Friedrich, ein hochbegabter, seine [379] gro?e Vorliebe für Poesie auch durch eigene Versuche beth?tigender Mann von freierer Denk- und Lebensweise, vermochte nicht die eigenen geistigen Interessen und die edle Sorgfalt für die moralische, b?rgerliche, besonders aber für die litterarische Erziehung und Ausbildung seiner Söhne mit den (vielleicht nicht ?berm??igen) Forderungen eines trockenen Mei?ener Stiftssyndikats in Einklang zu bringen. Da er durch L?ssigkeit und Vertrauensseligkeit gegen seine Untergebenen eine arge Mi?wirthschaft im Amte mitverschuldet hatte, wurde er 1741 desselben endg?ltig enthoben; Gram und Sorgen brachten ihn schon 1748 ins Grab; die Mutter, geb. Wilke, war bereits 1736 gestorben. Johann Elias kam mit den gr?ndlichsten classischen Kenntnissen ausger?stet 1733 auf die Landesschule zu Pforta. Hier ward das classische Alterthum, auf dem ja das Schwergewicht des etwas einseitigen Lehrplanes ruhte, zur Grundlage und zum Ausgangspunkte für die beiden Hauptrichtungen seines Geistes, für das Drama und die theoretisch-kritische Aesthetik. In letzterer Hinsicht zeugt daf?r der 1739 verfa?te (erst 1764 in den Werken abgedruckte) Auszug eines Briefs ?ber die Trauerspiele der Alten und Neuern, in ersterer die prosaische Electra?bersetzung von 1739 (die poetische Umschmelzung ist von 1741) und die beiden, stofflich im engsten Anschlusse an die antiken Vorbilder entstandenen Dramen Hekuba (später die Trojanerinnen) von 1736 und die Geschwister in Taurien (später Orest und Pylades) von 1737.während ersteres Drama, aus dem gleichnamigen des Euripides und aus dessen und Seneca?s Trojanerinnen zusammengeschwei?t, uns entgegen dem Urtheile seiner Zeitgenossen haupts?chlich nur als ein Erzeugni? poetischer Legirungskunst interessirt, w?ren die Geschwister falls rechtzeitig erschienen ein hervorragendes Ereigni? in der Entwicklung des nationalen Dramas geworden. In der Absicht, nicht etwa ein Buchdrama, sondern ein B?hnenst?ck zu schreiben, (wie es denn auch schon 1739 in noch sehr unfertigem Zustande auf die Bretter der Neuber?schen B?hne kam), versuchte und brachte es der junge Dichter zuwege, die heterogenen Elemente des griechischen und franz?sischen Dramas in ein drittes, ein für seine Zeit lebensf?higes Ganzes zu verbinden, das uns gewisserma?en als Typus des classicistischen Dramas in Deutschland gelten kann. Zwar war er noch unf?hig, eine selbst?ndige Conception und einen ?ber die Vorlage hinausgehenden tragischen Conflict zu schaffen, aber er hat es verstanden, nach beiden Seiten hin vermittelnd, einerseits durch Ausscheidung des Chores und der Monologe, und durch Modernisirung der Charactere im franz?sischen Sinne, andererseits durch Vermeidung jeglicher ?berfl?ssiger Liebesintrigue, (wie sie z. B. hier zwischen dem Freunde und der Suivante Eutrophe kein Franzose verschm?ht h?tte), beiden Richtungen durch ein wenigstens poetisch gedachtes Ganze gerecht zu werden. Trotzdem d?rfen wir in diesen Jugenddramen kein vollg?ltiges Document für das k?nstlerische und geistige K?nnen des jungen Pfortaners erblicken[WS 1], denn in Anbetracht der zahlreichen Verbesserungen und Umschmelzungen, denen beide Dramen (die Trojanerinnen 1742 u. 1745, Orest 1739, 1742 u. ?.) unterzogen wurden, l??t sich die urspr?ngliche Gestalt eher errathen als feststellen; sicherlich ist z. B. der sch?ne, im echt humanen Sinne gedachte Schlu? des Iphigeniedramas die Frucht einer späteren Umarbeitung. Auch so haftet beiden noch manches Unbeholfene an und besonders tadelnswerth erscheint mir die Einf?hrung ?berfl?ssiger Nebenmotive, welche die ohnehin spitzfindige Anagnorisis der Euripideischen Vorlage nur noch mehr verwirren. Einen klareren Einblick in die kleinen und zahlreichen, im Style und Geiste seiner Zeit begr?ndeten M?ngel und in die beachtenswerthen, schon damals oft die Leistungen seiner Zeitgenossen ?berragenden Vorz?ge gew?hrt uns ein drittes Drama Dido, das er 1739 kurz vor seinem Abgange aus Schulpforta in enger Anlehnung an die franz?sische Didon von Lefranc de Pompignan (1734) und vielleicht unter [380] Mitbenutzung von Metastasio?s Didone abbandonata (1724) in Angriff genommen und abgeschlossen hat und mit unerheblicheren Verbesserungen 1744 im V. Band der Gottsched?schen Schaub?hne drucken lie?. Eine freiere selbst?ndige Entwicklung der Handlung d?rfen wir hier weder suchen noch verlangen, die Vorz?ge des Dramas bestehen in der Ausnutzung und Ausarbeitung der psychologischen Motive und besonders gl?ckte ihm die Gestalt der erhaben leidenden Heldin, denn er besa? im hohen Grade das, was seinen Collegen so ganz abging, ein poetisches Temperament. Weniger erfreulich und ganz im Style jener zopfigen Deckenfresken, die den Thronsaal jeder kleinen Residenz schm?cken mu?ten, ist das Huldigungsgedicht Bem?hungen Irenens und der Liebe zur Hochzeitsfeier der Prinzessin Amalie mit dem Könige Karl von Sicilien. Unsere Kenntni? des Menschen und der edlen Vorz?ge seines Charakters wird durch die anmuthigen Schilderungen seines Bruders Adolf und des polnischen Bibliographen Daniel Janocki (J?nisch) aufs g?nstigste erweiterte. Mit einem historischen Thema verabschiedete er sich am 30. März 1739 von Schulpforta und begab sich nach Leipzig, um dort bis zum Herbst 1742 als beyder Rechte Beflissener seine Studien zu absolviren; doch hospitirte er auch bei Christ und Gottsched. Behutsam auftretend und schon durch seinen guten Geschmack, die tiefere Bildung und Einsicht vor jeder extremen Parteig?ngerei bewahrt, trat er, besonders seit 1740, zu Letzterem in ein n?heres Verh?ltni?, wurde Mitglied seiner Rednergesellschaft und Mitarbeiter an den Zeitschriften Gottsched?s und seines Parteig?ngers Professor Schwabe. Litterarischen Ausdruck fand dieses Verh?ltni? in dem poetischen Schreiben an den Prof. Gottsched, in dem er ihn gegen die Keckheiten der Mauvillon?schen Lettres françoises et germaniques 1740 in Schutz nahm, aber eigentlich Haller, dessen Einflu? auf Schlegel?s Lyrik unzweifelhaft ist, als die Hauptzierde der deutschen Litteratur hinstellte. Er f?hlte sich Gottsched gegen?ber zu manchem Dank verpflichtet, ohne ihm jemals Heeresfolge geleistet, oder sich zu seinen Grunds?tzen bekannt zu haben. Gleichzeitig begann er die Ver?ffentlichung der von gro?er Belesenheit und durchdringender Gedankenarbeit zeugenden theoretischen Untersuchungen, die zu einem gro?angelegten, auf dem Grundsatze der poetischen Nachahmung gegr?ndeten ?sthetischen System f?hren sollten. Gottsched?s Theorie bleibt unber?cksichtigt; auch die Schweizer, deren freieren theoretischen Ansichten und poetischen Erzeugnissen er sich zwar nicht verschlo?, werden jedoch nur nebenher benutzt, denn zwischen den schwankenden und im Grunde grob realistischen Anschauungen derselben und seinen im vornhinein feststehenden, idealisirenden, unter dem Einflusse der feinsinnigen Untersuchungen der franz?sischen Akademiker Fraguier und Vatry stehenden ?sthetischen Ueberzeugungen, die auch gelegentlich in seinen kunsttheoretischen Dichtungen zum Ausdruck kommen, gab es nur sehr sp?rliche Ber?hrungspunkte. Aber seine Theorie konnte mit ihren idealen Zwecken eine unmittelbare Nutzanwendung, eine Vorschrift für das Erreichbare nicht beabsichtigen; daher auch der scheinbare Widerspruch und die gro?e Kluft zwischen Vors?tzen und Thaten, zwischen ?sthetischen Forderungen und poetischen Erzeugnissen. Durch die in den polemisch sich gegen Straube wendenden Ausf?hrungen seines geistreichen Schreibens an den Herrn N. N. ?ber die Com?die in Versen (1740) geforderte versificirte Form wollte er das Lustspiel dem gemeinen Leben entr?cken, eine Forderung, die er im Grundsatze noch 1745 in der Vorrede zu der (wahrscheinlich nur bis zum dritten Act) von ihm ausgef?hrten Uebersetzung des Ruhmredigen des Destouches noch aufrecht erhielt; aber seine s?mmtlichen gr??eren Lustspiele sind bis auf den Einacter die stumme Sch?nheit in Prosa. Er schl?gt f?rs Drama freiere Versformen, den jambischen [381] Trimeter u. s. w. vor, hat aber fast durchgehends in den ausgef?hrten Originalen den Alexandriner beibehalten und erst 1749 in der fragmentarischen aber vortrefflichen Uebersetzung von Congreve?s Braut in Trauer den f?nff??igen Jambus in kunstvoller Weise eingef?hrt; der reimlose jambische Trimeter, eine Uebergangsform vom Alexandriner zum f?nff??igen Jambus findet sich nur in dem fragmentarisch erhaltenen Leipziger Nachspiel die entf?hrte Dose und in dem Entwurfe des G?rtnerKönigs vor. Er ist muthig in der Vergleichung Shakespears und Andreas Gryphs mit der brennenden Fackel in den dunklen Raum, wo die Shakespeare?schen Schütze aufgespeichert lagen, vorangeschritten, aber es weisen der gleichzeitige Herrmann sowohl, als die 1742 vorgenommene Ueberarbeitung der Dido (wo die Geistererscheinung des Sich?us nicht auf Hamlet, sondern auf die franz?sische Vorlage zurückgeht) nicht die leiseste Spur eines unmittelbaren Einflusses auf. Er ist schon seit der witzigen Kritik des Klaj?schen Heroldes (1741) ?fters für die freie Behandlung der Zeit- und Ortseinheit eingetreten, ohne in Drama oder Lustspiel haarbreit von der strengen Observanz abgewichen zu sein. Er hat sich im Todtengespr?che Demokritus weidlich ?ber den Anachronismus des Regnard?schen Lustspiels lustig gemacht, ?bersah aber die tiefer liegende, den Hauptgestalten seines Herrmann (1741) anhaftende Zeitwidrigkeit, die sie uns ebensowenig altdeutsch und ebensosehr modern franz?sisch erscheinen l??t, wie es die Staatskleider waren, in denen sie auf der B?hne erscheinen mu?ten. Eine bedeutsame Leistung war aber dieses, nebenbei bemerkt stark ?berSchützte Drama schon deswegen, als sich hier der junge Dichter zum erstenmale vor die Aufgabe gestellt sah, selbst?ndig, da ihm der Lohenstein?sche Roman nur wenige Anhaltspunkte bot, einen historischen Stoff zu einer dramatischen Fabel zu gestalten, psychologische Motive zu erfinden und tragische Conflicte zu schaffen; dieser Aufgabe war er nicht ganz gewachsen. Die Vorz?ge des Dramas, ebenso wie die des 1742 in Dresden in Angriff genommenen und bis zum dritten Buche ausgearbeiteten nationalen Epos Heinrich der L?we liegen mehr in der Wahl des Stoffes als in dessen Ausarbeitung und sind entschieden mehr ethische als ?sthetische. Der neue Stoff fand keine neue Form, die Charaktere sind schematisch, erinnern in ihrer Gruppirung sehr an Corneille?s Horace und das sch?ne Pathos, in dem sie ?ber sich und ihre Verh?ltnisse verhandeln, kann uns in keiner Weise für die mangelnde Handlung, die sich haupts?chlich hinter den Coulissen abspielt, entsch?digen. Bei manchen Vorz?gen in Vortrag und Empfindung bleibt dieses Drama doch nur ein Versuch,während S. auf theoretischem Gebiete entschiedene Erfolge zu verzeichnen hatte. Noch klarer tritt dieser Widerspruch in den gleichzeitigen Lustspielen zu Tage. Es lagen in ihm die Keime jener kunstidealistischen Richtung, die zu Winckelmann und Schiller f?hrt, aber es steckt damals noch in ihm etwas von dem kleinen deutschen Spie?b?rger, den kleinliche Interessen und ein unbeholfenes Gesellschaftsleben schwer zu Boden dr?cken. Seine ersten Versuche Der gesch?ftige M?ssigg?nger (1741), ferner der erst 1746 vollendete Geheimni?volle, beide von Moliere?schen Typen angeregt, schlie?lich Die Pracht zu Landheim unvollkommen erhalten, geh?ren doch, von kleineren Vorz?gen abgesehen, noch im ganzen und gro?en jener plattrealistischen, von Frau Gottsched eingeschlagenen Richtung an, die selbst Lessing?s Beispiel auf keiner h?heren Sph?re zu erhalten vermochte und der es beschieden war, in den erb?rmlichen Plattheiten der J?nger, Bretzner und Stephanie unterzugehen. ? Schlegel?s scharfe auf die heimischen Zust?nde gerichtete Beobachtungsgabe und sein feineres Verst?ndni? des weiblichen Gem?ths und der menschlichen Verh?ltnisse ?berhaupt h?tten jedoch zur Schaffung dieser Erzeugnisse ohne das [382] form- und ansto?gebende Element der litterarischen Vorbilder nicht ausgereicht. Seine Muster waren Molière und seine Schule mit ihrer allgemein menschlichen alles in feststehende Typen zusammenfassenden Komik und in zweiter Linie Holberg mit seiner scharf im Detail arbeitenden, zeitweilig bestehende Verh?ltnisse gei?elnden Satyre. Auch stilistisch wird die Verschiedenartigkeit beider Richtungen bemerkbar und für eine fein witzige und elegante Wendung aus der Schule Marivaux?s und Saintfoix?s m?ssen wir oft einen derben Holberg?schen Witz mit in den Kauf nehmen. Gr??ere Beachtung verdient die leider Entwurf gebliebene, sichtlich durch Regnard?s Democrite angeregte Idee zu einem versificirten Lustspiele Die drei Philosophen 1742. Im Herbst 1742 ging er mit dem späteren Sächsischen Gesandten am d?nischen Hofe, v. Spener, als dessen Privatsecret?r nach Dresden und bald darauf 1743 ?ber Berlin und Hamburg, wo er Hagedorn n?her trat, nach Kopenhagen. Jetzt erst begann (1742?45) seine systematisch ausgearbeitete Abhandlung von der Nachahmung zu erscheinen; in dieser Untersuchung, die sich mit allem, was die deutsche Aesthetik vor Lessing geleistet, k?hn messen kann, versuchte er seine in fr?heren Aufs?tzen zerstreuten Kunsturtheile auf die H?he einer allgemein g?ltigen Theorie zu bringen; unwillk?rlich merkt man ihm hier den Dramatiker an,während er die Lyrik nur mit M?he in den Rahmen seiner Theorie hineinzw?ngt. Praktische Erl?uterungen und Einschr?nkungen bietet unter Beibehaltung des idealistischen Ausgangspunktes die Abhandlung, da? die Nachahmung der Sache, der man nachahmet, zuweilen un?hnlich werden m?sse, die, schon 1741 als Rede entworfen, erst 1744 gedruckt wurde. 1745 bis 1746 gab er den Fremden heraus und regte in dieser Wochenschrift in freim?thiger Weise culturelle, historische und litterarische Fragen an. für dieselbe schrieb er auch den Einacter Der gute Rath und betheiligte sich gleichzeitig mit lyrischen Erzeugnissen an dem 1746 von seinem Bruder Adolph herausgegebenen, bis jetzt noch nicht wieder aufgefundenen Buch ohne Titel. Das Lustspielfragment Der G?rtnerKönig, das er seit 1746 ?fters in Angriff nahm, bietet eine F?lle der originellsten Motive, die antike, der Phantasie freien Spielraum lassende Welt, die in den Regionen des Winterm?rchens sich bewegende Handlung, die Wiedereinsetzung des verschollenen Königsohns, seine romantische Verbindung mit der G?rtnerstochter, das komische Element im G?rtner, das burlesk-satyrische in der G?rtnersfrau und im Petit-maître, alles dies sind Motive wie aus einem Shakespeare?schen Lustspiele. Sicher erscheint mir eine tiefere Kenntni? Shakespeare?s aus Schlegel?s hervorragendstem Drama Canut zu sprechen. Sie offenbart sich hier (so wie im Fragment Gothrika 1748) in der Wahl eines dem fr?hen Mittelalter (der Chronik des Saxo Grammaticus) entlehnten nationalen Stoffes, in der kraftvollen bilderreichen Sprache, vor allem aber in dem gigantischen und d?monischen Wesen des sichtlich Richard III. nachgebildeten Helden Ulfo, dessen Charakter vom Dichter hier gerade so wie er es schon 1747 an Shakespeare?s Dramen bemerkt haben wollte, gliedweise vorgetragen wird. Diese gro?en Vorz?ge m?ssen umsomehr betont werden, als ja bereits die zeitgen?ssische Kritik die unleugbaren Schattenseiten des St?ckes: die unm?nnliche Schw?che Canut?s, das allzu passive Wesen Estrithens gen?gend hervorgekehrt hat. Er hinterlie? auch Bruchst?cke einer Shakespeare-Uebersetzung, die aber sein Bruder leider in die Werke nicht aufnahm. Die Theatralischen Werke 1747, den (bereits 1746 separat erschienenen) Canut, die Trojanerinnen, den Geheimni?vollen und die Electra?bersetzung umfassend, hat S. mit einer l?ngeren unter dem Titel Ueber die W?rde und Majest?t des Ausdrucks im Trauerspiele in die Werke aufgenommenen Vorrede eingeleitet; [383] es ist dies eine theils kritisch, theils theoretische, auf Longin und Fenelon gest?tzte, nicht besonders tiefgehende aber allgemein verst?ndliche und zeitgem??e Er?rterung ?ber den tragischen Stil, der es an satyrischen Seitenhieben auf die Gottschedische Schule nicht mangelt. An dem in Kopenhagen damals für Drama und Theater neu erwachenden Leben nahm er regsten Antheil. In dem Schreiben von Errichtung eines Theaters in Kopenhagen 1746 (?) plaidirt er für die Einsetzung von Aufsehern (Intendanten) und für die Honorirung der Dichter. Weit hervorragender als diese in technischen und finanziellen Fragen noch recht naiven Ausf?hrungen, und durch die ihnen von Lessing zutheil gewordene Anerkennung auch weiterhin bekannt, sind die leider ebenfalls erst 1764 gedruckten Gedanken zur Aufnahme des d?nischen Theaters. Nachdr?cklich betont hier S. die Nothwendigkeit und den poetischen Vortheil nationaler Stoffe und bekundet in der theoretisch nicht ganz gegl?ckten Neueintheilung der dramatischen Gattungen nach St?nden und Leidenschaften und in der das Theater als eine Einrichtung für das B?rgerthum bezeichnenden Bemerkung eine gesunde, b?rgerlich demokratische Gesinnung. Ganz als Lessing?s Vorl?ufer auftretend, hat er hier die ?sthetische Berechtigung des b?rgerlichen Trauerspiels motivirt, geistreich und treffend den Unterschied zwischen englischem und franz?sischem Wesen und Drama erwogen, antigottschedianisch dem Charakter im Drama vor der Fabel den Vorzug gegeben und für die Behandlung der Orts- und Zeiteinheit weitgehende Freiheit gefordert. Doch mitten unter diesen reformatorischen Ideen entsteht 1747 das Lustspiel Der Triumph der guten Frauen, ein feingedachtes und zierlich ausgef?hrtes, in den Sitten schon undeutsches, in Technik und Durchf?hrung ganz franz?sisches St?ck, aber nach Mendelssohn?s Urtheil voll Lebens in den Charakteren, Feuers in der Handlung und echten Witzes in den Gespr?chen. Doch wird es noch bei weitem ?bertroffen von dem gleichzeitigen Nachspiel die stumme Sch?nheit, das uns in seiner reizvollen Anmuth und durch die heiter und sorglos in den geschmeidigsten Alexandrinern dahinflie?ende Handlung als das vollendetste, am meisten abgerundete seiner poetischen Erzeugnisse erscheint. Beide Lustspiele sind zusammen mit dem Vorspiele Die Langeweile, womit am 18. December 1747 das neue Theater eröffnet wurde, als Beytr?ge zum d?nischen Theater 1748 erschienen. 1748 heirathete er seine geliebte Chloris, Johanna Sophia Niordt, die er in lyrischen Erg?ssen voll innerster Liebesglut besungen hatte. Eine ihm in diesem Jahre verliehene Professur an der Ritterakademie zu Sor?e lenkte seinen Geist auf historische Untersuchungen, deren mehrere er zum Abschlu? brachte. Angestrengt arbeitete er an einem gro?en nationalhistorischen Werke ?ber Heinrich den L?wen. Doch kam er ?ber die ersten B?cher nicht hinaus, denn schon am 13. August 1749 ereilte ihn im rastlosen Schaffensdrange mitten unter gro?artigen Entw?rfen zu Sor?e der Tod. Au?er den schon erw?hnten Einzelausgaben und Sammlungen: (Mit Giseke) Sammlung einiger Schriften zum Zeitvertreibe des Geschmackes 1746?1747. Lustspiele des Saintfoix 1750, 2 Bde. Werke (unter Mitwirkung Joh. Adolph?s) herausgegeben von Joh. Heinrich, 5 Theile, 1761?1770 (Theil 1 ?fters aufgelegt). Aesthetische und dramaturgische Schriften, herausgegeben von Johann v. Antoniewiecz 1887 (in Seuffert?s D. Litt.-Denkm. des 18. und 19. Jahrhunderts, Band 29). Briefe: an Hagedorn in der Eschenburg?schen Ausgabe 5, 284 ff.; an Gottsched bei Seeliger, Joh. Elias Schlegel. Mittheilungen des Vereins f. Gesch. der Stadt Mei?en, 1888, Bd. 2, 145?188; an Bodmer, herausgegeben von Crueger im Archiv f. Lit.-Gesch., 14, 49 ff. Lit. Pamphlete. Aus der Schweiz. [384] Nebst Briefen an Bodmern. 1781. St?udlin: Briefe ber. und edler Deutschen an Bodmer 1794. Die Originale auf der Z?richer Stadtbibliothek; andere Briefe besitzen die Herren Prof. Litzmann in Jena und N. F. Schlegel in Kopenhagen; ungedruckte Gedichte Herr Dr. E. Wolff und der Verfasser. Biographisches und Litterarhistorisches: J. D. Janozki, kritische Briefe 1745. ? Gellert (Klee?s Ausgabe 1839, 6, 343 ff.) ? J. Adolf Schlegel, Batteux-Uebersetzung 1³, 50. ? J. Heinrich Schlegel?s Werke 5, I?LII 1770. J?rdens IV, 497, 1809 (mit den Nachweisen der Urtheile Lessing?s, Mendelssohn?s und Nicolai?s, Herder?s Urtheil ?ber J. E. Schlegel findet sich A. D. Bibl. 5, 1, 165 ff. Suphan?s Ausgabe 4, 232 ff., Schiller?s in der Abhandlung ?ber naive und sent. Dichtung). ? Danzel, Gottsched und seine Zeit. 1848. ? Thaarup, Biographiske Efterretningar om familjen Schlegel (Geneal. og Biogr. Archiv I, 257). ? F. Mayer, Ein Vorl?ufer Lessing?s. Progr. Oberhollabrunn, 1869. ? W. S?derhjelm, Om J. E. Schlegel s?rskildt som lustspeldiktare, Helsingfors 1884. ? v. Antoniewicz, s. o. S. I?CLXXX. ? Minor, Zeitschr. f. ?sterr. Gymn., 1888, 39, 533 ff. ? Braitmaier, Gesch. der poet. Theorie und Kritik, 1888, I, 249?295. ? O. Walzel, Vierteljahrsschrift f. Litteraturgesch. I, 212. ? Seeliger s. o. ? E. Wolff, J. E. Schlegel 1889 und Anzeiger 1890, XVI, 140. ? M. Koch, Zeitschr. f. vergl. Litteraturgesch. 2, 3 f. ? Creizenach, Zeitschr. f. d. Phil., 1889, 22, 230. ? Rentsch, Anzeiger, 1888, XV, 347. ? F. Muncker, Bremer Beitr?ger II, 103 ff. (in K?rschner?s D. Nat. Litt., Bd. 43, 2). ? J. Rentsch, Joh. Elias Schlegel als Trauerspieldichter, mit besonderer Ber?cksichtigung seines Verh?ltnisses zu Gottsched. Erlangen 1890. (Dissertation).